Es scheint so, als sei
die Regenzeit vorüber. Zwar regnet es noch häufig ab und zu, ist bewölkt aber
nicht mehr in der Intensität. Dafür gibt es Temperaturen ab 35 Grad Celsius und
das bei einer stetig feuchten Luft. Der Ventilator in meinem Zimmer läuft nun
rund um die Uhr; am Tage, damit meine Sachen nicht wieder schimmeln und in der
Nacht, damit ich wenigstens ein bisschen schlafen kann.
Nachdem wir in der
letzten Woche die weißen Tees und leichten Tees verkostet haben, waren diese Woche
die roten und dunklen Tees an der Reihe. Im Augenblick des Trinkens ist es
recht logisch, wie die Tees beschrieben sind, doch selbst ein Geschmacksprofil
zu erstellen, fällt mir nach wie vor schwer. Obwohl die Teemeisterin darauf
beharrt, dass der Geschmack an Honig erinnert, spüre ich nicht den Hauch von
Honig und meine Beschreibung von fruchtig würde auf so viele Tees zutreffen.
Und was ist eigentlich fruchtig? Zumal es einen himmelweiten Unterschied
zwischen den Früchten gibt. Ganz abgesehen davon, dass es verschiedene Sorten
von Bananen gibt, schmeckt die gewöhnliche Banane in Taiwan, vielleicht einige
Tage nach dem Pflücken, sehr viel anders als die Banane in Berlin aus dem
Supermarkt. Nicht anders ist es bei Ananas und anderen „exotischen“ Früchten.
Als der Boom des
BubbleTees in Berlin losging, habe ich mich überreden lassen, einen zu kosten
und habe es bereut, da dieses Zeug eigentlich nur süß war. Allerdings verhält
es sich hier doch ein wenig anders. Der BubbleTee ist meist aus frischen Früchten
gemacht oder mit Gelee, das aus Früchten hergestellt wurde. Man kann wählen
zwischen sehr süß, wenig Zucker oder gar keinen. BubbleTee-Läden gibt es fast
an jeder Straßenecke und die Tees schmecken. Nicht, dass ich täglich einen
trinke aber ab und zu schon. Sie erinnern auch eher an alkoholfreie
Fruchtcocktails.

In Taiwan gibt es einen
Urteebaum. Viele dieser Bäume, die ich leider noch nicht aufsuchen konnte, sind
bis zu 800 Jahre alt. Japaner haben, als sie Taiwan 50 Jahre lang besetzt
hielten, diese Urpflanzen in Gärten angepflanzt, unter anderem auch in dem
„wilden“ Teegarten der Familie Chen. Zum größten Teil sind die Teepflanzen hier
90 Jahre alt. Da die Palmen ein halbdurchlässiges Dach bilden, bekommen die
Blätter keine zu starke Sonnenstrahlung ab, so dass sich die Aminosäure stärker
ausbilden kann als die Gerbstoffe, die den Tee bitter machen. Der Tee ist
bekömmlicher und teilweise, je nach Verarbeitung, kann man die Blätter den
ganzen Tag im Teewasser lassen, ohne dass der Tee bitter wird. Ich habe einige
Blätter, in einer Art Selbstversuch, in eine Wasserflasche gegeben und nach
drei Tagen konnte man den Tee immer noch trinken.



Während einer Tagestour zum Sonne-Mond-See besuchten wir ein Freiluft-Hähnchengrill, der einen sehr interessanten Grill verwendete. Gegessen wird das Hähnchen mit den Fingern. Allerdings anders als in Deutschland sind die taiwanesischen Finger behandschuht.








